SBFI – „Der Lehrstellenmarkt funktioniert“

4 Nov

Bern, 04.11.2013 – „Wie bereits die April-Erhebung 2013 vermuten liess, hat das Lehrstellenangebot bis im August weiter zugenommen. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Unternehmen sowohl mehr Lehrstellen angeboten (+ 3500) als auch vergeben (+ 2000). Gleichzeitig hat die Zahl der offen gebliebenen Lehrstellen von 7000 im Jahr 2012 auf 8500 zugenommen. Das zeigen die Hochrechnungen des Lehrstellenbarometers, die das LINK-Institut im Auftrag des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation SBFI erstellt hat.

Per August 2013 hat das Gesamtangebot an Lehrstellen um 3500 auf hochgerechnet 95’500 Stellen zugenommen. Davon haben die Unternehmen 87’000 Lehrstellen (2012: 85’000) vergeben. Weitere 8500 Ausbildungsplätze (2012: 7000) waren am Stichtag 31. August 2013 noch offen. Die Betriebe hoffen, davon in diesem Jahr noch 1500 (2012: 2000) besetzen zu können. Am meisten Lehrstellen sind in den technischen Berufen, Bau/Architektur und Dienstleistungen unbesetzt geblieben. Hauptgrund dafür sind nach Angabe der Betriebe vor allem ungeeignete Bewerbungen.

Hochgerechnet 93’500 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren bekundeten in der diesjährigen Befragung Interesse an einer beruflichen Grundbildung, 3000 weniger als im Vorjahr. Das Lehrstellenangebot übersteigt somit insgesamt die Nachfrage; die Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Lehrstellenmarkt ist erfüllt. Von den befragten Jugendlichen, die 2013 vor der Ausbildungswahl standen, sind rund 50% (hochgerechnet 74’000) effektiv in eine berufliche Grundbildung eingetreten. Der Rest verteilt sich auf Jugendliche, die eine Vorbereitung auf eine berufliche Grundbildung beginnen, Jugendliche, die eine allgemeinbildende Schule beginnen, und Jugendliche, die eine Zwischenlösung oder etwas anderes machen; 6% hatten bis zum Stichtag am 31. August noch keine Lösung gefunden.

Die Anzahl Jugendlicher, die sich im laufenden Jahr vor der Ausbildungswahl befanden und für das nächste Jahr für eine Lehrstelle interessieren oder bereits eine Zusage für eine Lehrstelle für 2014 haben („Warteschlange“), ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Sie umfasst nun noch 16’500 Personen (Vorjahr 17’000). Zu Zeiten des Lehrstellenmangels hatte sie hochgerechnet 24’500 erreicht (2007). Von den 16’500 Jugendlichen hatten 8500 schon für dieses Jahr eine Lehrstelle gesucht; 8000 strebten von sich aus erst für 2014 einen Lehrbeginn an.

Das Lehrstellenbarometer wird jährlich zweimal (im April und im August) erstellt. Für die Hochrechnungen dieses Sommers wurden vom 20. August bis 14. September 2553 Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren telefonisch befragt. Der statistische Vertrauensbereich liegt für diese Stichprobe bei +/- 2 Prozent. Auf Seiten der Unternehmen wurden 5889 Betriebe mit mindestens zwei Mitarbeitenden schriftlich angefragt; 5441 nahmen an der Befragung teil. Davon waren 2098 Betriebe mit Lehrstellen. Der statistische Vertrauensbereich liegt bei dieser Stichprobe bei +/- 2,2 Prozent.

Sensibilisierung für die Berufsbildung

Ein ausreichendes und attraktives Lehrstellenangebot ist für Gesellschaft und Wirtschaft von grosser Bedeutung. Es ermöglicht Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt und sorgt für Nachwuchs an qualifizierten Fach- und Führungskräften. Gemäss Lehrstellenbarometer haben jedoch insbesondere Unternehmen, die Lehrstellen in technischen Berufen und mit hohen Anforderungsprofilen anbieten, zunehmend Mühe, geeigneten Berufsnachwuchs zu rekrutieren. Ein Grund dafür ist die demographische Entwicklung: Die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ist seit 2009 rückläufig.

Diesem Umstand trägt die Plakatkampagne BERUFSBILDUNGPLUS.CH Rechnung, die heute schweizweit startet. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, will sie Jugendliche und junge Erwachsene über die vielfältigen Möglichkeiten, die die Berufsbildung eröffnet, informieren und Leistungsstarke für die verschiedenen Karrieremöglichkeiten sensibilisieren. Weiter sollen Unternehmen hinsichtlich ihrer Personalpolitik darauf hingewiesen werden, dass insbesondere die höhere Berufsbildung für verantwortungsvolle Fach- oder Führungsfunktionen qualifiziert. Sie verhilft zu den Fachkräften, welche die Schweizer Wirtschaft braucht, um national und international wettbewerbsfähig zu bleiben.
BERUFSBILDUNGPLUS.CH ist – unter der Leitung des SBFI – eine gemeinsame Initiative des Bundes, der Kantone und der Organisationen der Arbeitswelt.“
Adresse für Rückfragen:
Katrin Frei, Leiterin des Ressorts Grundsatzfragen und Politik, Abteilung Berufliche Grundbildung und höhere Berufsbildung, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), Tel. 031 322 82 47

Tiziana Fantini, Projektverantwortliche Kommunikation, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), Tel. 031 323 04 59
Herausgeber:

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation

Quelle: http://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de&msg-id=50803

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Mit Aussagen wie z.B.
1. „Gleichzeitig hat die Zahl der offen gebliebenen Lehrstellen von 7000 im Jahr 2012 auf 8500 zugenommen.“

2. „Die Anzahl Jugendlicher, die sich im laufenden Jahr vor der Ausbildungswahl befanden und für das nächste Jahr für eine Lehrstelle interessieren oder bereits eine Zusage für eine Lehrstelle für 2014 haben (“Warteschlange”), ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Sie umfasst nun noch 16’500 Personen (Vorjahr 17’000). Zu Zeiten des Lehrstellenmangels hatte sie hochgerechnet 24’500 erreicht (2007).“

3. „Hochgerechnet 93’500 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren bekundeten in der diesjährigen Befragung Interesse an einer beruflichen Grundbildung, 3000 weniger als im Vorjahr. Das Lehrstellenangebot übersteigt somit insgesamt die Nachfrage; die Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Lehrstellenmarkt ist erfüllt.“

… bin ich nicht ganz sicher, ob der Titel „Der Lehrstellenmarkt funktioniert“ treffend ist.

Zu 1.:
Es ist zweifelsfrei erfreulich, dass die Bereitschaft mehr Lehrstellen anzubieten auch in diesem Jahr gestiegen ist. Die Zunahme der offen gebliebenen Lehrstellen sehe ich zum einen darin begründet, dass die „falschen“ Lehrstellen angeboten werden/wurden, die Anforderungen zu hoch und/oder die Jugendlichen zu schwach sind.

Zu 2.:
Die Abnahme auf der Warteschlange ist ebenfalls erfreulich. Gründe für die Abnahme sind aber einerseits die abnehmende Zahl der Schulabgänger und der Druck auf die Unternehmen wegen dem Nachwuchsmangel das eine oder andere Auge bei den Anforderungen zuzudrücken. Dankeschön an alle diejenigen, welche vermeintlich schwächeren Schülern eine Chance geben.
16’500 sind aber immer noch zu viele Jugendliche auf der Warteschlange.

Zu 3.:
Die Aussage im dritten Auszug bezüglich „Das Lehrstellenangebot übersteigt somit insgesamt die Nachfrage“ ist wieder einmal das sinnlose „Birnen mit Äpfel“ vergleichen. Es ist ja „schön“, wenn den 93’500 Jugendlichen hochgerechnet 95’500 Lehrstellen gegenüberstehen. Aber reicht dieser Lehrstellen“überhang“ wirklich aus? Bei über 250 verschiedenen Berufen und Lehrstellen von Graubünden bis Basel bezweifle ich doch sehr, dass wirklich genügend Lehrstellen am richtigen Ort und im richtigen Beruf vorhanden sind.
Klar: Der Lehrstellenmarkt ist kein Wunschkonzert und der Arbeitsmarkt bestimmt das Lehrstellenangebot. Aber ein Überangebot an Lehrstellen sollte die Regel sein, damit wirklich eine Auswahlmöglichkeit besteht und damit vielleicht auch die Lehrabbrüche etwas reduziert würden, wenn die Jugendlichen die für sie passende Lehrstelle ergattern könnten.

Für Firmen mit eher unattraktiven Berufen macht dies die Sache natürlich nicht einfacher. Laut einer Publikation von Avenir Suisse gibt es strukturelle Differenzen bezüglich der Verteilung der Berufe auf dem Arbeitsmarkt und den effektiv angebotenen Lehrstellen auf dem Lehrstellenmarkt.
Nebst den „falschen“ Lehrstellen, gibt es aber auch wichtige Lehrstellen, welche zu wenig nachgefragt werden. In Zeiten wo mehr Jugendliche das Gymnasium in Angriff nehmen und viele nur noch im Büro arbeiten wollen, braucht es auch Gegensteuer, um Jugendliche auf die Attraktivität und Weiterbildungsmöglichkeiten vieler handwerklicher Berufe hinzuweisen. Es kann nicht sein, dass wichtige handwerkliche Berufe künftig nur noch mit Jugendlichen aus den Nachbarländern besetzt werden. Ich bin überzeugt, es gibt viele Einheimische, welche das Zeug dazu hätten, einen handwerklichen Beruf erfolgreich zu erlernen und darin mehr aufblühen würden als in einem Bürojob – wenn es die Eltern zulassen.

Langer Rede, kurzer Sinn:
„Der Lehrstellemarkt funktioniert“ ist nach meiner Interpretation nicht ganz richtig. Aber das ist ja, wie Alles, eine Definitionsfrage…

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Eine Antwort to “SBFI – „Der Lehrstellenmarkt funktioniert“”

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  1. LB-Newsletter 2013/11 – 10 Jahre Lehrstellenbörse | Lehrstellenboerse.ch Blog - November 21, 2013

    […] ist eine neue Medienmitteilung zum Lehrstellenbarometer vom SBFI erschienen mit dem Titel „Der Lehrstellenmarkt funktioniert“. Wir haben da 1,2 Anmerkungen. VERANSTALTUNGEN / […]

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